ManCity – HSV: Die Tour mit dem Tagesflieger

Nachdem wir Manchester im Hinspiel eine Woche zuvor mit 3:1 furios vom Platz gefegt hatten, konnte ja in Manchester (oder: Maaahnschister, wie es die dort ansässigen nennen) eigentlich nix mehr schiefgehen. Eigentlich. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Doch der Reihe nach.

20130124-003901.jpg

Ab 7:45 Uhr sollte der Check-in für den ersten Tagesflieger sein. Treffpunkt war Terminal 2 des Hamburger Flughafens. Wie beim Fußball üblich, erscheint man aber nicht erst zum Anpfiff, sondern schon deutlich vorher. Aus diesem Grunde war Terminal 2 auch schon 7:15 gut gefüllt mit HSV-Fans – 260 waren es, die in den Flieger passten. Nett anzusehen waren die pikierten Gesichter am benachbarten Schalter – dort befand sich der First Class Check-in für einen Lufthansa-Flug nach München. In diesen Kreisen wird man offensichtlich nicht gerne konfrontiert mit Pöbel und Gesocks, das zum Fußball geht.

Der folgende Flug nach Manchester wird nicht näher beschrieben. Er war, wie ein Flug nun einmal so ist. Bemerkenswert war allerdings das Erscheinen von dunklen Regenwolken, die sofort nach Überquerung der Nordsee und dem Erreichen des britischen Festlandes zu sehen waren. England-Wetter halt. Nach der Landung in Manchester wurden wir mit Bussen in die Innenstadt gefahren, wo sofort ein Pub aufgesucht wurde. Auf dem Weg dorthin, Manchester ist wirklich winzig klein, lief uns Nico über den Weg, der, mit dem Stadtplan in der Hand, auf der Suche nach uns war.

Im Pub angekommen gleich die nächste Freude: Cider und Carling für 2 Pfund das Stück – sensationell. Da durften es dann schon ein paar von sein. Und was sich in der Fußgängerzone schon angedeutet hatte, setzte sich im Pub fort: Die „Manchesterianer“ (Mancunians) sind total nett und echt für jeden Spaß zu haben! DAS konnte man von England wirklich nicht erwarten, umso schöner war diese Erkenntnis. Und wenn man sich in den sehr bizarren Akzent des Nordwestens hineingehört hatte, klappte die Verständigung exzellent. Gewöhnen sollte man sich jedoch sehr schnell daran, dass es in England verboten ist, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken. Einige Male wurden Fan-Gruppen alles Bier abgenommen und Strafen in unbekannter Höhe serviert. Unschön sowas.

Normalerweise sollte man bei weiter entfernten Touren ja immer auch für ein Sightseeing nutzen. Aus Ermangelung von sehenswerten Dingen in Manchester musste dies jedoch entfallen. Doch halt, nicht ganz. Es gibt in Manchester ja nicht nur die Heimat der Citizens im COMS („City of Manchester Stadium“), sondern auch das altehrwürdige Old Trafford, Heimat des in Manchester ungeliebten großen Manchester United. Also ab ins Taxi (deutlich billiger und schneller als ÖPNV) und hin da. Die Führung inklusive Museum kosteten rund 12 Pfund, dafür bekam die Gruppe (außer uns HSV-Fans fast ausschließlich fette englische Rotzlöffel in viel zu kleinen ManU-Trikots, eingerahmt von wahlweise Mama oder Papa) einen sichtlich gelangweilten Guide präsentiert, dem es nicht zu dumm war, Läster-Sprüche über die „Krauts“ zu bringen. Nachdem ich ihm, schon leicht angetrunken, zu verstehen gegeben habe, dass wir Deutsche sind (geendet habe ich mit „Don´t mention the war“), hörte er damit auf. Ansonsten: Was soll man zu diesem Stadion sagen? Sehr beeindruckende Fassade, tolles Inneres, aber wehe, man betritt den Innenraum. Dort sieht das Old Trafford um einiges schlimmer aus als das alte Volksparkstadion. Schlicht und ergreifend zum kotzen. Immerhin könnte man so den Eindruck gewinnen, dass ManU ein Arbeiterverein mit Arbeiterpublikum sei. Bei 42 Pfund für die günstigste Karte kann man davon jedoch nicht wirklich ausgehen.

Vom Old Trafford ging´s mit dem Taxi zurück in die Innenstadt, zum „Printworks“. Dies ist eine alte Lagerhalle, die nun mehrere Pubs beinhaltet. Das übliche bierselige Einsingen war schon in vollem Gange. Danach ging es mit Bussen zum COMS und nach Erwerb eines Manchester City-Schals in den Auswärtsblock. Da das Spiel jeder gesehen haben dürfte, schreibe ich lieber was zu den äußeren Bedingungen. Die Atmosphäre war am Anfang erschreckend dünn, supporttechnisch hatte der HSV ein absolutes Heimspiel. Ganz schlimm wurde es nach unserem Führungstor, wo man überhaupt nix Englisches vernahm.

Doch es ging auch anders. Ganz anders. Nachdem City in der 1. Halbzeit schon den Ausgleich nach einem Witz-Elfmeter erzielt hatte, schossen sie kurz nach Wiederanpfiff das verdiente 2:1 (wohl aus Abseitsposition). Und los ging´s: Nicht nur die Singing Sections links und rechts neben dem Away-Block gaben alles, das GANZE Stadion schrie und explodierte supporttechnisch. SOWAS Geiles habe ich noch nie gesehen, das ging richtig hab. Man konnte fast befürchten, dass einem die Ohren abliegen, zumindest aber, dass man taub wird. Das war fett! Geholfen hat es dennoch nix, im Halbfinale stehen wir, das muss man so sagen, nach einer ordentlichen Portion Glück und dem Auslassen zahlreicher Großchancen durch City. Aber wer weiß: Hätte man nicht so einen Lachsack und Klapps-Kalli von Schiedsrichter gehabt, hätte der HSV vielleicht sogar gewonnen.

Nach dem Spiel ging es direkt in Bussen zum Flughafen. Da wir noch einige Zeit überbrücken mussten, bis der Flieger zurück nach Hamburg ging, und weil kein HSVer unterhalb von 5 Litern alkoholischer Flüssigkeiten blieb, lagen in allen Ecken und allen Bänken schlafende aber glückliche HSV-Fans. Eine Anekdote zum Schluss: Wir hätten pünktlich losfliegen können, wenn nicht vergessen worden wäre, das Flugzeug zu betanken. Ärgerlich. Denn so wurde eine Verspätung von einer Stunde herausgeholt – und das nachts um halb vier Ortszeit.

Fazit: Wir tanzen weiter auf drei Hochzeiten, auch wenn das Spiel gegen Manchester ein echtes Zitterspiel war. Ich bin mir sicher, dass wenn City das 3:1 gemacht hätte, wären wir auseinandergebrochen und hätten 5 oder 6 Stück bekommen. Aber: Ende gut, alles gut.

NUR DER HSV

Schreibe einen Kommentar